ZWEI Leben in EINEM

ZerbrocheneWelt

 

Ich  war 34 Jahre alt, mitten im Leben, meine Kinder waren damals im Alter von 7, 9, 11 und 13 Jahren als meine Welt in tausenden von Puzzleteilen zerbrach.
Ich erinnere mich noch ganz genau an das Datum an dem es mir wie ein Faustschlag ins Gesicht geknallt wurde. Es war der 18. Dezember zweitausend und fünf.

Sie haben Krebs T-Zell-Lymphom, generalisiert im ganzen Körper, Überlebenschance 2%!!!

Für mich blieb von dieser Sekunde an die Welt stehen. Es ist ein schlechter Scherz dachte ich, die Ärztin sprach, doch es drang nichts mehr in mich hinein. Es war als würde ich ausserhalb von mir sein.

Laut Ärztin musste alles schnell gehen, sofortiger Beginn mit Chemotherapie, doch in mir kam auf einmal eine Kraft auf die ich nicht erklären konnte was es war, als würde ich über mich hinaus wachsen . Ich sagte mir immer und immer wieder: „Wenn es nur 1% ist, dann bin ich es, die es schaffen kann!“

Monate vergingen mit fortlaufenden Chemotherapien, Krankenhausaufenthalte die oft auch sehr überraschend für meine Kinder waren und dann der Hoffnungsschimmer eigener Stammzellentherapie. Ich musste mir täglich Spritzen geben um die Stammzellen aus dem Knochen ins Blut zu bringen. Es waren höllische Schmerzen, das ich des öfteren kaum Gehen konnte. Doch dann war alles vergebens, drei Wochen bevor ich meine eigenen Stammzellen bekommen konnte wurde ich angerufen, dass bei der Lagerung etwas schief gelaufen war und ich musste erneut Chemos machen, da sich sofort ein Rezidiv bildete. Doch wieder war das Glück an meiner Seite, beim Versuch einen Stammzellenspender für mich zu finden, war ein Bruder und eine Schwester fast ident mit meinen und so wurde entschieden, das mein Bruder der Spender ist. Wieder Hochdosis-Chemotherapie über 5 Tage, um mein gesamtes System zu zerstören und so war es. Mein Körper gab sämtliche Funktionen auf und ich musste an eine Beatmungsmaschine. Von da an war ich in zwei Welten unterwegs. Mal nahm ich mich ausserhalb meines Körpers wahr und mal war ich in meinem Körper.

Doch der entscheidende Moment war der 23. Dezember 2006, als ich zum zweiten Mal an die Beatmungsmaschine angeschlossen wurde. Es wurde über den Sinn debattiert, ob es sinnvoll ist, mich nochmals zu intubieren und an die Beatmungsmaschine zu schliessen. Doch mein Mann blieb standfest: Wie kann ich am Vorabend von Weihnachten nach Hause fahren und den Kindern sagen, die Mutter ist gestorben? Und wie mein Leben es wollte, waren alle „Zufälle“ so, dass mein Mann noch da war.

Ich stieg hoch empor, sah mich von oben im Bett sitzen, mein Bruder mit seinen Kindern war gerade zu Besuch, um sich von mir zu verabschieden. Ich nahm mich wahr, ich war da, ich war körperlos, nichts und doch alles, das Bewusstsein selbst. Ich sah mich vollkommen und gesund in meinem Bett sitzen. Ich ging dreimal durch einen brennenden Kamin durch und kam danach in einen Raum. Beim ersten Mal befand ich mich in einem Raum der Stille und wartete, beim zweiten war wundervolle Musik zu hören und beim dritten sah ich kindliche engelhafte Gestalten, die lachend hin und her rannten. Es war als würde ich überall gleichzeitig sein. Eine Stimme fragte mich, was ich wolle, nochmals in dieses Leben oder in ein anderes Leben, auch das konnte ich spüren und sehen.  Ich entschied mich wieder in dieses Leben zu gehen, denn ich verspürte so ein großes Gefühl der Liebe und Lebensfreude.

Als ich wieder zu mir erwachte, war ich gefangen in einem Körper, der ausgehungert und nicht mehr funktionstüchtig zu dieser Zeit war. Ich nahm alles wahr, als würde ich die Stadien eines Lebens von Geburt bis ins jetzige Alter im Schnellverfahren durchlaufen.

Doch was ich immer wusste: „Ich bin Bewusstsein und vollkommen gesund, auch wenn es von Außen nicht den Anschein hatte und ich es nach und nach erst verstehen lernte, was das heisst. Ich kam zurück als völlig neuer Mensch mit neuer Software aufgespielt (so hab ich es immer gesagt :). Ich dachte anders, ich war anders, ich fühlte anders. Waren es vielleicht die über 100 Blutkonserven und Konzentrate, die ich bekommen habe oder die Stammzellen meines Bruders??? Mein einziger Wunsch war, herauszufinden, warum ich mir eine Krebserkrankung erschaffen habe und wer ich bin.

Auch mein Mann und meine Kinder waren überfordert mit mir, doch eins wusste ich: „ Wenn ich wieder ins „Alte“ zurückfalle, ist das mein Todesurteil.“

Und so begann meine Reise ins Leben zurück. Das grösste Geschenk das ich erhalten habe war  zu erkennen, dass alles Energie ist und das Leben ein Geschenk ist, indem das WERTVOLLSTE und WICHTIGSTE ist, es mit Dankbarkeit und Würde zu gehen. Ich konnte nicht nur die volle Verantwortung für mein Leben übernehmen konnte auch das Erdenkleid, den Spiegel und das Spiel erkennen.

Alles, wirklich alles ist möglich auf dem Weg der Erkenntnis, denn jeder Gedanke, jedes Wort, jede Handlung alles hat eine Wirkung. So hatten auch die Gebete, liebevollen Gedanken und Handlungen für meine Heilung eine grosse Wirkung.